Kinder erschlagen

Totes Baby an Grenze: Mutter (18) muss ins Gefängnis

Mutter und Angehörige vor Gericht.
© APA/JUDITH HÖGERL
Der Prozess um das tote Neugeborene, das im vergangenen Jänner am Grenzübergang Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) gefunden worden war, ist am Donnerstag weit nach Mitternacht mit einem Schuldspruch für die damals erst 17-jährige Mutter des Kindes und vier Freisprüchen für ihre Verwandten zu Ende gegangen. Die junge Frau wurde wegen Tötung eines Kindes bei der Geburt zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt.
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Die Geschworenen sprachen die zum Tatzeitpunkt jugendliche Erstangeklagte mit acht zu null Stimmen schuldig. Genauso eindeutig erfolgte der Freispruch für die Schwester, den Schwager, den Bruder und die Mutter der mittlerweile 18-Jährigen, die wegen Beteiligung an einem Mord angeklagt waren. Sie wurden mit jeweils acht zu null Stimmen freigesprochen. Alle fünf Angeklagten hatten sich zuvor nicht schuldig bekannt.

Die 18-Jährige soll das Kind - wie angeklagt - nach der Geburt gewürgt und erschlagen haben. Dass die anderen Familienmitglieder davon wussten und ihr halfen, indem sie aufpassten und Spuren beseitigten, konnte ihnen letztlich nicht nachgewiesen werden.

Mehrere Justizbeamte begleiten Angeklagte in Handschellen in einem Gerichtssaal.
Mehrere Justizbeamte begleiten Angeklagte in Handschellen in einem Gerichtssaal. © APA/JUDITH HÖGERL

Neugeborenes starb an Schädel-Hirn-Trauma

Das tote Baby war am 18. Jänner 2026 hinter einer Trafostation am Grenzübergang Nickelsdorf gefunden worden. Eine Obduktion ergab, dass das Mädchen lebensfähig war und zumindest einige Minuten nach der Geburt gelebt hat. Als Todesursache wurde ein Schädel-Hirn-Trauma festgestellt.

Die rumänische Familie wurde aufgrund einer Überwachungskamera am Parkplatz ausgeforscht. Auf einem Video ist zu sehen, wie die fünf Angeklagten am 17. Jänner 2026 auf ihrer Fahrt von Rumänien nach Deutschland mit ihrem Kleinbus auf dem Rastplatz stehen bleiben. Kurz nach 22.00 Uhr steigt die damals 17-Jährige mit einer Tasche aus dem Fahrzeug aus und geht in Richtung der Trafostation, hinter der das tote Kind am nächsten Tag gefunden wurde.

Familie erklärte sich Blut mit Periode

Die anderen Familienmitglieder sind im Video dabei zu sehen, wie sie währenddessen im Bereich des Autos herumgehen und unter anderem eine blutige Matratze entsorgen. Sie seien aber davon ausgegangen, dass die junge Frau blute, weil sie ihre Periode habe, beteuerten sie vor Gericht. Von der Schwangerschaft habe diese ihnen nichts erzählt.

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Auch die 18-Jährige gab an, sie habe das Kind alleine im Auto entbunden, ohne dass die anderen etwas mitbekamen. Gleichzeitig beteuerte sie, von einer Totgeburt ausgegangen zu sein. Die schweren Kopfverletzungen erklärte sie damit, dass ihr das tote Kind beim Ablegen aus der Hand gerutscht sei.

Ein medizinischer Sachverständiger hielt allerdings fest, dass ein bloßes Hinunterfallen für das Verletzungsbild nicht ausreiche. Vielmehr lege es nahe, dass das Kind gegen einen harten Gegenstand geschlagen worden sei. Dass die 18-Jährige die Schwangerschaft verleugnet und verdrängt habe, hielt eine psychiatrische Sachverständige für durchaus glaubhaft, zumal die junge Frau zuvor auch sexuell missbraucht worden sein soll.

Rettungseinsatz vor Urteilsverkündung

Die Verhandlung dauerte am Donnerstag knapp 16 Stunden, wobei es vor der Urteilsverkündung auch noch zu einem Rettungseinsatz kam. Die 22-jährige Zweitangeklagte brach nach den Schlussplädoyers zusammen und musste von Sanitätern behandelt werden. Bei der Urteilsverkündung war sie dann aber wieder dabei. Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab.

Auf den Videoaufnahmen ist auch ein älterer Mann zu sehen, der mit den fünf Angeklagten in dem Kleinbus saß. Er konnte bisher allerdings nicht ausgeforscht werden.

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