Im Niger entführt

Geisel-Drama beendet: Österreicherin nach 21 Monaten in Wien gelandet!

Zwei Frauen mit Kopftüchern stehen Arm in Arm in einem Raum mit Gemälden und Sesseln.
© Facebook: Mit Eva G. (links) wurde auch die Schweizerin Claudia A. freigelassen.
Eva G. war am 11. Jänner 2025 in Agadez gekidnappt worden. Am Donnerstag lkandete sie schon in Wien-Schwechat, wo sie ihre Söhne abholten.
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Agadez/Wien. Die Anfang 2025 im Niger entführte Österreicherin Eva G. ist offenbar wieder frei. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am Mittwochabend unter Berufung auf "zwei anonyme offizielle Quellen", eine Österreicherin und eine Schweizerin seien in der ostlibyschen Stadt Benghazi eingetroffen, nachdem sie nach mehreren Monaten Gefangenschaft im Niger befreit worden waren. Donnerstagabend war an Bord einer Maschine, die in Libyen gestartet und in Schwechat gelandet war.

Das österreichische Außenministerium sprach am Donnerstag zunächst noch sehr zurückhaltend  von "ermutigenden Informationen" über das Schicksal der im Jänner 2025 entführten Frau. "Der komplexe und sehr gefährliche Prozess der Freilassung und Übergabe" sei jedoch noch nicht gänzlich abgeschlossen. Mittags bestätigte dann Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) die positive Wende: "Ich konnte bereits mit Eva G. telefonieren. Es scheint ihr so weit gut zu gehen und ich bin sehr beeindruckt von dieser starken Frau", erklärte die Außenministerin.

Währenddessen schrieb der Sohn von Eva G., Christoph Gretzmacher, am Mittwochabend auf Facebook über seine Mutter: "Sie verbrachte fast 21 Monate in Gefangenschaft. Eva und Claudia sind jetzt frei. Sie befinden sich derzeit in einem Flugzeug auf dem Weg nach Benghazi, Libyen." Die Schweizerin Claudia A. war im April des Vorjahrs ebenfalls im Niger entführt worden.

Erste Worte der Österreicherin (76)

In einem vom ostlibyschen Fernsehsender al-Masar ausgestrahlten Video wirkten die beiden Frauen erschöpft. Unter einem Porträt von Marschall Khalifa Haftar sitzend, bedankten sie sich auf Französisch bei ihren Befreiern.

"Ich .bin Österreicherin und 76 Jahre alt. Ich danke Marschall Khalifa Haftar und seinem Sohn Saddam, der uns befreit hat, von ganzem Herzen, sagte Eva G.

Die Freilassung der beiden Frauen erfolgte wenige Wochen nach der Befreiung des US-Amerikaners Kevin R. und zweier ehemaliger Mitglieder der russischen Wagner-Truppe, bei der ebenfalls Haftar eine Rolle gespielt haben dürfte.

Bewaffnete Männer waren laut Augenzeugen am Abend des 11. Jänners 2025 in das Haus der damals 73-jährigen Eva G. in der nigrischen Wüstenstadt Agadez eingedrungen. Sie verfrachteten die Frau in einen Geländewagen. Lokale Medien berichteten, dass es sich bei den Kidnappern um Kriminelle handelte, die die Österreicherin an eine terroristische Gruppe weitergereicht haben. Die islamistische Terrormiliz JNIM, ein regionaler Ableger der Al-Kaida, dementierte unmittelbar nach der Entführung eine Beteiligung an der Tat.

Österreicherin war seit 1996 im Niger aktiv

Die Österreicherin, die seit fast drei Jahrzehnten in Agadez am Rande der Sahara lebte, war seit 1996 mit dem von ihr gegründeten privaten Kulturverein Amanay im Niger aktiv. Sie sei in Agadez sehr gut vernetztgewesen, sagte ihr Sohn bereits vor einigen Monaten gegenüber der APA. Nach Angaben auf Facebook engagiert sie sich für die Bildung junger Menschen, etwa in Bereichen wie Musik, Gesundheit, Ökologie oder Handwerklichem wie der Schneiderei. 2010 baute sie dafür ein eigenes Kompetenzzentrum.

Am 13. April des Vorjahres wurde mit der Schweizerin Claudia A. dann eine zweite Frau auf die gleiche Art und Weise wie die Österreicherin entführt: nämlich nächtens aus ihrer Wohnung in Agadez. Vermutungen legten nahe, dass Eva G. und Claudia A. gemeinsam festgehalten wurden. Über die Hintergründe der Entführung gibt es kaum gesicherte Informationen. Die nigrischen, österreichischen und auch Schweizer Behörden hielten sich bisher weitgehend bedeckt.

Viele Entführungen in der Sahelzone

Die Sahelregion verzeichnete in der jüngeren Vergangenheit eine Rekordzahl an Entführungen. Der Niger ist seit rund zehn Jahren mit tödlicher Gewalt durch Jihadistengruppen konfrontiert, die mit Al-Kaida und der Miliz Islamischer Jihad in Verbindung stehen. Auch andere Islamistenorganisationen wie etwa Boko Haram sind in der Region aktiv, hinzu kommen russische Söldner. Bei politisch motivierter Gewalt in Burkina Faso, Mali und Niger starben laut ACLED allein im Jahr 2025 mehr als 10.000 Menschen.

Abgesehen von Entführungen westlicher Staatsangehöriger und ausländischer Arbeitnehmer führen die Terroristen einen Wirtschaftskrieg. Das Ziel von Anschlägen und Sabotageakten sind industrielle Produktionsstätten, Bergbaustandorte und Transitrouten. Zuletzt gab es vermehrt Angriffe auf chinesische Infrastruktur und Unternehmen in Niger und Mali.

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