Extrem gefährlich
Neue Horror-Droge erobert San Francisco
San Francisco steht vor einer neuen Herausforderung im Kampf gegen synthetische Drogen. Nach dem Tod eines 16-Jährigen ist in der kalifornischen Metropole erstmals die hochpotente Substanz Cychlorphin als Todesursache nachgewiesen worden. Experten schätzen das synthetische Opioid als etwa zehnmal stärker als Fentanyl ein. Besonders problematisch: Herkömmliche Fentanyl-Teststreifen können die Substanz nicht erkennen.
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Das Opfer, Dante Paul Lacourte, starb bereits am 7. April in der Wohnung seiner Mutter. Zunächst ging die Familie davon aus, dass Fentanyl für den Tod verantwortlich war. Der toxikologische Befund brachte jedoch eine andere Substanz ans Licht: Cychlorphin. Nach Angaben der "New York Times" ist es bislang der einzige entsprechende Eintrag in einem Bericht des Gerichtsmediziners von San Francisco.
Die Geschichte des Jugendlichen macht zugleich deutlich, wie schwer der Umgang mit dem illegalen Pillenmarkt geworden ist. Dante hatte bereits als Teenager begonnen, Drogen zu konsumieren und später über soziale Medien Tabletten gekauft. Seine Mutter Christina Lacourte hatte ihn wiederholt vor den Gefahren von Straßenpillen gewarnt. Eine zentrale Sorge der Behörden ist, dass Konsumenten Cychlorphin überhaupt nicht erwarten und die Substanz in vermeintlich bekannten Medikamenten steckt.
20.000 Pillen beschlagnahmt
Der Tod des Jugendlichen löste eine monatelange Untersuchung aus. Über Nachrichten auf seinem Mobiltelefon kamen Ermittler auf mutmaßliche Verkäufer. Polizeibeamte traten anschließend verdeckt als Käufer auf und konnten dadurch weitere Ermittlungen und Durchsuchungsbeschlüsse vorbereiten.
Anfang September nahm die Polizei schließlich vier Verdächtige fest. Bei den Durchsuchungen wurden insgesamt mehr als 20.000 Pillen sichergestellt. Darunter waren mutmaßlich gefälschte Xanax- und Oxycodon-Tabletten, außerdem Fentanyl und weitere Drogen. Die Beamten fanden zudem Schusswaffen und Bargeld. Die Ermittler prüfen, ob die Festgenommenen tatsächlich mit der tödlichen Pille in Verbindung stehen, die Dante eingenommen hatte.
Alte Substanz, neue Gefahr
Cychlorphin ist nicht erst kürzlich erfunden worden. Die Substanz geht auf Forschungsarbeiten in Belgien aus den 1960er-Jahren zurück. Damals suchten Wissenschaftler nach besonders starken Schmerzmitteln. Wegen der enormen Wirksamkeit und der damit verbundenen Gefahren wurde die Substanz jedoch nicht als normales Medikament zugelassen. Herstellungsinformationen sind inzwischen im Internet verfügbar, was die Produktion illegaler synthetischer Opioide erleichtern kann.
Für die Behörden liegt darin eine besondere Gefahr: Neue synthetische Drogen können vergleichsweise schnell in den illegalen Markt gelangen, bevor Labore und Strafverfolgungsbehörden geeignete Nachweisverfahren entwickelt haben. Nach Einschätzung von Experten könnte deshalb die Untersuchung von Abwasser helfen, neue Substanzen früher zu entdecken. San Francisco hat ein entsprechendes Monitoring nach einer Unterbrechung inzwischen wieder aufgenommen.
Der Fall zeigt damit eine neue Dimension der Opioid-Krise. Während Fentanyl weiterhin für einen großen Teil der tödlichen Überdosierungen verantwortlich ist, tauchen immer wieder weitere hochpotente synthetische Substanzen auf. In San Francisco starben seit 2020 bereits mehr als 4.000 Menschen an Drogenüberdosierungen, überwiegend im Zusammenhang mit Fentanyl.
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