Pulkautal-Operette
GV im Land des Lächelns: Wenn der Wein zur Operette tanzt
Denn während anderswo Klimawandel und sinkender Weinkonsum den Winzern Sorgenfalten ins Gesicht treiben, lässt man im Pulkautal die Korken tanzen und die Lautsprecher singen.
Die lustige Winzerin von Untermarkersdorf
Beim Besuch von noe.ORF.at lässt die 28-Jährige Katharina Baumgartner aus Untermarkersdorf (Bezirk Hollabrunn) eine Kette in einen 20 Meter hohen Stahltank gleiten. Daran hängen vier Unterwasser-Lautsprecher, die ihren Grünen Veltliner mit Operettenklängen verwöhnen – fast so, als würde man dem Wein persönlich zuflüstern: "Dein ist mein ganzes Herz".
Dein ist mein ganzes Fass: Winzerin lässt den Wein zur Musik schwingen
Was nach Zauberei klingt, ist in Wahrheit pure Technik, versichert Baumgartner. "Das ist wie ein Rührwerk für die Hefe, die sich am Boden des Tanks absetzt. Andere verwenden ein Rührwerk, ich versenke die Lautsprecher, die durch die Musik vibrieren und die Hefe fein in Bewegung halten."
Dein ist mein ganzes Fass
Und die Musikwahl? Da ist die Winzerin ganz unprätentiös – Hauptsache, es schwingt. "Ich habe nicht recherchiert, welche die Lieblingsmusik der Hefe ist. Für die Harley-Davidson-Charity-Tour habe ich einen Harley-Wein gemacht. Dieser wurde mit Motorgeräusch beschallt, das hat genauso funktioniert, nur schneller." Vielleicht hätte hier ja auch ein Hauch von Zigeunerliebe mit ihrem ungarischen Kolorit gepasst – dem Wein wäre es wohl gleich gewesen.
Ein Weingut wie aus dem Bilderbuch
Die musikalischen Weinpflege passt bestens zu einem Betrieb, den Baumgartner gerade von Grund auf neu aufstellt. Erst in den 1960er-Jahren begann das einst kleine Weingut zu wachsen, als Großvater Wolfgang und später vor allem Vater Wieland Baumgartner Weingärten aufkauften – ganz ohne Fledermaus-Verkleidung, dafür mit unternehmerischem Weitblick.
Lippen schweigen, der Tank vibriert: Musikalische Weinkunst in Untermarkersdorf
So entstand, Rebstock für Rebstock, das heute größte Weingut Österreichs mit stolzen 210 Hektar Rebfläche und 18 Millionen Litern Wein. Die Flaschenabfüllung selbst ist noch ein junges Kapitel: Bis vor 15 Jahren war man reiner Fassweinproduzent. "Erst da haben wir mit der Abfüllung von Flaschen, mit der Vermarktung, mit dem Aufbau eines Weingutes mit eigenem Namen begonnen. Da ist sicher noch viel Luft nach oben, das ist mehr als nur ein Lebenswerk."
Auch interessant
Applaus, Applaus – wie beim Finale einer großen Operette
Vor sechs Jahren, mit gerade einmal 22 Jahren, übernahm Katharina Baumgartner den Riesenbetrieb von ihrem Vater, der nach wie vor tatkräftig mitwirkt – Bruder Lorenz ebenso. Gemeinsam geben sie dem Unternehmen eine neue Richtung, und der Erfolg lässt sich sehen: Auszeichnungen bei Weinprämierungen in New York, London, Paris, und der Titel "bestes Weingut Österreichs" bei Mundus Vini in Wien – ein Beifallsturm, der jeder Fledermaus-Ballszene zur Ehre gereichen würde.
Baumgartner selbst bleibt dabei angenehm bodenständig: "Damit muss ich nicht groß Werbung machen, diese Auszeichnungen sprechen im internationalen Wettbewerb für sich." Und dieser Wettbewerb zählt – schließlich gehen 80 Prozent des Untermarkersdorfer Weines in den Export. Die Winzerin ist entsprechend viel unterwegs, auf Messen rund um den Globus, führt aber auch selbst Gruppen durch ihr Weingut – quasi eine Operettenvorstellung mit Weinglas in der Hand statt Champagnerkelch wie im Zigeunerbaron.
Der nächste Akt: Pulkautal-DAC
Mit 17 Jahren erhielt Baumgartner ihre erste Auszeichnung, es folgten weitere – der Liese-Prokop-Frauenpreis, der Brigitte-Bierlein-Preis. Und auch das jüngste Projekt hat das Zeug zum Publikumsliebling: Sie treibt maßgeblich die Schaffung der Marke Pulkautal-DAC voran.
"Die Vorarbeiten laufen schon, noch wissen wir nicht, welche Sorte es sein wird – oder welche Sorten – es könnte aber durchaus ein Rotwein dabei sein. Denn was viele nicht wissen: Das Pulkautal war früher als Rotweingegend bekannt, der Rotweinanteil lag bei 80 Prozent." Ein Comeback wie aus Wiener Blut – posthum zusammengestellt, aber mit echtem Herzblut neu inszeniert.
Der jungen Winzerin gehen die Ideen jedenfalls nicht aus – und dem Publikum, sprich: den Weinliebhabern, dürfte es ähnlich ergehen wie bei einer gelungenen Operette: Man verlässt den Saal – oder in diesem Fall das Weingut – mit einem Lächeln und dem Wunsch nach einer Zugabe.
OE24 TV Live-Stream
OE24 TV Live-Stream
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden