"Null nachvollziehbar"

Gunkl auf freiem Fuß! Ministerin tobt

Eine Frau steht vor unscharfen Flaggen, trägt Ohrringe und einen hellen Blazer.
© APA/ROLAND SCHLAGER
Die Ministerin kritisiert, dass Günther Paal weiterhin frei ist.
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Der Missbrauchsfall um Günther "Gunkl" Paal schlägt weiter hohe Wellen. Wie berichtet, ist der geständige Bühnenstar weiterhin auf freiem Fuß, während die zwei Frauen, die ihn damit erpresst haben, in U-Haft sitzen.

Scharfe Kritik daran kommt nun von Familienministerin Claudia Bauer. "Es ist null nachvollziehbar, warum schon wieder ein prominenter geständiger Kinderschänder seine Freiheit genießt", so die ÖVP-Politikerin. Jeder Fall sei "einer zu viel und grauenhaft".

Bauer verweist darauf, dass man sich im Regierungsprogramm auf die Verschärfung des Sexualstrafrechts  geeinigt habe. Dieses soll dann auch für den Bereich des Missbrauchs von Kindern gelten. "Unsere Kinder zu schützen, ist einer der höchsten Werte", so Bauer.

Gunkl zahlte für Missbrauch 300 Euro in bar

Unterdessen rücken auch die zwei Frauen, die Gunkl erpresst haben, in den Fokus: Das betroffene Kind – ein im März 2021 geborenes Mädchen – wurde der Mutter abgenommen, weil diese gemeinsam mit 19 Hunden in einem Haushalt in einem Haus an der Triester Straße gleich neben einer Nacht-Bar lebte. Sie soll ihre Tochter und ihren drei Jahre alten Sohn vernachlässigt haben. Die Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Wien (MA 11) ortete Gefahr im Verzug und schritt aus Sorge um das Wohl der Kinder ein. Einen Zusammenhang zu der inkriminierten, von Paal zugestandenen geschlechtlichen Handlung gebe es nicht, bestätigte Wolfgang Wendt, der Rechtsvertreter der 42-Jährigen. "Das Mädchen ist in einem Kriseninterventionszentrum, der Bub lebt bei Pflegeeltern", berichtete Wendt.

Ein älterer Mann mit Brille sitzt an einem Tisch im Grünen und hält eine Zigarette in der Hand.
© APA/EVA MANHART

Verhältnis. Paal hatte die 42-jährige Petra LK., die als Kleinunternehmerin in Sachen Erbringung von sonstigen Dienstleistungen in Wien ein Massagestudio betrieb, über eine Plattform im Internet kennengelernt, wo sie laut Wendt gemeinsam mit ihrer Mutter sexuelle Dienstleistungen anbot.

Paal unterhielt mehr als zehn Jahre mit beiden Frauen eine anfangs rein familiäre Beziehung, wie Fotos von Geburtstagsfeiern etwa belegen. Beide Frauen hätten den Kabarettisten gemocht, schilderte Wendt: "Die Großmutter war in ihn verliebt. Sie hat sich immer gefreut, weil er lustig war."

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Paal zahlte zuerst für Sex mit beiden Frauen

Sexarbeit. Paal habe die Frauen bezahlt, losgelöst davon ihnen aber auch Geschenke gemacht: "Der Tochter hat er zum 30. Geburtstag ein neues Bett geschenkt." Als es zu der geschlechtlichen Handlung mit der damals fast vierjährigen Tochter kam, hätten die Frauen das als "Bruch" erlebt, schilderte Wendt. So sei es zu den Erpressungen gekommen, zu denen seine Mandantinnen geständig seien: "Wir werden keinen Einspruch gegen die Anklage machen."

Paals Anwalt Höllwarth berichtete, dass es sich bei den Frauen um Sexarbeiterinnen gehandelt haben soll, die der Künstler vor zehn Jahren über eine Anzeige kennengelernt habe. Die beiden hatten mit Paal etwa ein Jahr Kontakt, nachdem die Zahlungen immer weiter erhöht wurden, brach er 2017 diesen ab. 2024 wurde der Kabarettist von der 42-Jährigen mit dem Vorschlag kontaktiert, sich wieder zu dritt zu treffen. Im Zuge dessen kam Paal auch mit dem Kind der Frau in Kontakt. Dabei wurde ihm seinen Ausführungen zufolge das Mädchen auch zugeführt.

Frauen forderten nach Missbrauch Geld ein

Anfang 2025 kam es dann im Haus der Frauen zu dem angeblich einmaligen Übergriff an der damals dreijährigen Tochter. Daraufhin habe die 63-Jährige Paal aufgefordert, dem Kind 300 Euro zu geben, was dieser auch tat, berichtet Anwalt Höllwarth. In weiterer Folge sollen die 63-Jährige und 42–Jährige zwischen Anfang 2025 und dem 5. Juni 2026 wiederholt – zunächst kleinere, am Schluss immer höhere Geldbeträge - von Paal erpresst haben.

Paal hatte sich im Mai 2026 an die Polizei gewandt, nachdem er den Frauen 159.000 Euro bezahlt hatte. Die Zahlungen erfolgten stets in bar, übergeben wurden die Banknoten in Kuverts. Die Polizei begann ab Paals Selbstanzeige, die Telefonate der beiden Frauen abzuhören. "Zu Weihnachten muss er wieder was zahlen", sagte die 42-Jährige kurz vor ihrer Festnahme. Diese erfolgte Anfang Juni am Wiener Hauptbahnhof, als Paal weitere 30.000 Euro überreichen sollte.

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