Preis-Schock

Strom doppelt so teuer wie vor einem Jahr

Junge Frau blickt besorgt auf eine Rechnung und sitzt mit Laptop am Tisch.
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Der flexible Stromtarif der Wien Energie schießt in lichte Höhen. Der Verbrauchspreis ist fast doppelt so hoch wie noch im Oktober 2025. Der Großteil der Kunden hat aber eine Einjahresvertrag mit Preisgarantie.
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Der Gift-Cocktail für den Teuer-Winter ist angerichtet. Durch die Extrem-Dürre im Sommer schwächelte die heimische Wasserkraft und Gaskraftwerke mussten einspringen. Die Folge: Die Gas-Nachfrage steigt und damit auch die Preise. Hinzu kommt der Iran-Krieg und seine Folgen, die der Preisentwicklung ebenso alles andere als dienlich sind.

Das i-Tüpfelchen gibt es dann noch vom Merit-Order-Prinzip, das dann auch den Strompreis in die Höhe schnellen lässt. Denn an der Strombörse werden die Kraftwerke in der Reihenfolge nach ihren Kosten eingesetzt. Der Preis richtet sich dann nach dem letzten (und damit teuersten) Kraftwerk, das noch zugeschalten werden muss, um den Strombedarf zu decken.

Strom und Gas doppelt so teuer!

Der Preisanstieg zeigt sich jedenfalls bereits jetzt bei der Wien Energie deutlich. Beim Optima Aktiv Stromtarif (flexibel; monatliche Preisanpassung) liegt der Arbeitspreis bereits bei 29,11 Cent pro Kilowattstunde - doppelt so hoch wie noch vor einem Jahr. Wer sich für 12 Monate bindet, bekommt noch einen Fixpreis von 12,82 Cent pro Kilowattstunde.

Der FM 22 Index - danach richtet sich der flexible Strompreis - liegt bei 194,88. Im Oktober des Vorjahres war er noch bei 96,11.

Beim Gas sieht es ähnlich aus. Der Erdgas Optima Aktiv liegt aktuell bei 13,02 Cent pro Kilowattstunde. Vor einem Jahr waren es noch läppische 5,72 Cent pro Kilowattstunde. Mit Vertragsbindung (12 Monate) erhält man einen Fixpreis von 8,78 Cent pro Kilowattstunde. Im September 2025 gab es denselben Ein-Jahres-Vertrag noch für unter 6 Cent pro Kilowattstunde Arbeitspreis! Der Anstieg liegt also bei über 50 Prozent.

Wien Energie verweist auf Preisgarantien.
Wien Energie verweist auf Preisgarantien. © stocki-DS103613

Wien Energie: Auch Fernwärme wird teurer

Und bei der Fernwärme? Da sieht es auch nicht besser aus. Anfang Oktober schickte die Wien Energie eine Aussendung mit dem Titel "Weiterhin Fernwärme-Rabatte trotz massiv gestiegener Gaspreise" aus. Dort wird angekündigt, dass es einen Rabatt von 30 Prozent auf den Arbeitspreis gibt. Da es allerdings bisher einen Rabatt von 37 Prozent gab, steigen die Preise. Für eine durchschnittliche Wohnung (73 Quadratmeter, 6.000 kWh Verbrauch) bedeutet das rund 4,60 Euro mehr pro Monat (6 Prozent). Insgesamt nimmt die Wien Energie für den Rabatt aber immer noch 70 Millionen Euro in die Hand.

Wien Energie: Großteil der Kunden hat einjährige Preisgarantie

Auf oe24-Anfrage hält die Wien Energie fest, dass der Großteil der Kunden ohnehin Verträge mit einjähriger Preisgarantie abgeschlossen habe. Auf deren Tarife haben die Schwankungen auf den Großhandelsmärkten keine Auswirkung.

Der Optima Aktiv, also mit flexiblem Verbrauchspreis, richtet sich nach dem ÖSPI Monat der Österreichischen Energieagentur. Für Verträge, die noch vor Oktober abgeschlossen wurden, ist es der FM 22 Index. Beide sind aber ident und ergeben den gleichen Verbrauchspreis.

Ob der Verbrauchspreis beim Einjahres-Tarif auf dem aktuellen Niveau gehalten werden kann, lässt sich nicht beantworten. Die Marktentwicklung sei aktuell sehr volantil, daher wolle man keine Prognosen abgeben, so die Wien Energie.

Wolfgang Hattmannsdorfer
© APA/GEORG HOCHMUTH

Netzentgelte für Strom sinken ab 2027

Bei einer Verdoppelung der Strom-Tarife im Vergleich zum Vorjahr klingt die Senkung der Netzgebühr ab 2027, die von der E-Control am Donnerstag angekündigt wurde, wie ein schwacher Trost.

Haushaltskunden zahlen ab nächstem Jahr im Durchschnitt für das Stromnetz weniger, geht aus dem Entwurf der E-Control für die neuen Netzentgelte hervor. Wird die Netzgebühr wie bisher nach Arbeitspreis und Leistungspauschale berechnet, liegt die Ersparnis im Schnitt bei 3,6 Prozent. Mit dem Leistungspreis, der bis spätestens Mitte 2028 die Pauschale ersetzt, sinken die Netzkosten für einen Durchschnittshaushalt um 5,7 Prozent.

Die Haushalte ersparen sich bei einer Abrechnung wie bisher nach Arbeitspreis und Leistungspauschale bei einem jährlichen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden (kWh) rund 15 Euro. Stellt der Netzbetreiber bereits auf den Leistungspreis um, beträgt die jährliche Ersparnis rund 24 Euro.

"Jeden Euro sinnvoll einsetzen"

"Mit unserer Strommarktreform verfolgen wir ein klares Ziel: Neue Stromleitungen dort schneller bauen, wo wir sie brauchen, und bestehende besser nutzen, um unnötige Kosten zu vermeiden", kommentierte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) die Tarif-Reform. "Wir müssen jeden Euro sinnvoll einsetzen, bestehende Infrastruktur besser nutzen und unnötige Belastungen vermeiden", merkte Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) an.

FPÖ-Energiesprecher Paul Hammerl sieht durch die neuen Strom-Netzentgelte "keine nachhaltige Netzkostensenkung, sondern eine billige Werbenummer".

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