Auftrags-Coup

Vollmond! Morgenstern-Coup minutiös geplant

Ein dunkelblauer Helikopter fliegt vor bewaldeten Berghängen.
© instagram/thomasmorgensternhelic
Wenn man alle Informationen, die vorliegen, zusammenfügt, ergibt sich ein eindeutiges Bild, dass der Diebstahl des Robinson-Hubschraubers von Thomas Morgenstern und Gastronom Manuel ein generalstabsmäßig durchgezogener Auftragscoup war. Sogar das Ziel lässt sich ausrechnen.
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Slzbg. Zur Erinnerung: In der Nacht auf Montag zwischen 2 und 4 Uhr in der Früh in der gar nicht stockdunklen Nacht - es war, und das ist eines der wichtigsten Details, noch mitten in der Vollmondphase  - wurde der Robinson R44 Hubschrauber, den das Rundflug-Unternehmen von Ex-Skisprungstar Thomas Morgenstern betreibt und einem Salzburger Gastronomen gehört, dreist aus einem Hangar am Flugplatz Mauterndorf im Salzburger Lungau gestohlen.

Lokale Webcams ausgeschaltet

Besitzer des R44 ist Manuel Aster (re), Morgenstern nutzt den Heli für Rundflüge, Transporte sowie Foto- und Filmflüge.
Besitzer des R44 ist Manuel Aster (re), Morgenstern nutzt den Heli für Rundflüge, Transporte sowie Foto- und Filmflüge. © M.Aster

So etwas hat es noch nicht gegeben: Dass offenbar eine hochversierte Bande - die neben einem Piloten auch einen Komplizen mit Kenntnissen in Flugzeug- und Heli-Mechanik dabei gehabt haben muss und  vermutlich von weiteren Komplizen zielgenau zum Hangar chauffiert worden waren - von dort einen der auffälligsten Helis überhaupt im Bretitling-Design entwendeten bzw. entwenden konnten.

Der nicht unaufällige Hubschrauber im spektakulären Einsatz.
Der nicht unaufällige Hubschrauber im spektakulären Einsatz. © instagram/thomasmorgensternhelic

Wie nach und nach durchsickert, haben die Täter ihren Coup minutiös durchgezogen, schalteten zunächst die Sicherheitskameras am Flughafen aus und deckten alle lokalen Webcams ab, sodass die Startrichtung nicht erkennbar war.

Spur führt nach Albanien oder Nordmazedonien

Vor dem Start wurden der Transponder und der ELT, ein Gerät zur Ortung des Hubschraubers in Notfällen, aus dem Hubschrauber ausgebaut. Dann stahlen die nächtlichen Einbrecher 365 Liter Kerosin von der Flughafentankstelle, obwohl der Standardtank des R44 nur etwa 170 Liter fasst. Das kann nur eines bedeuten: Das Ziel war mitnichten Kroatien, wo die Täter (etwa auf der Insel Pag) bei einem Zwischenstopp nachgetankt haben, um danach nach Albanien oder Nordmazedonien weiterzufliegen. Mit 365 Liter Kerosin kommt man mit dem R44 bis zu 1.300 Kilometer weit.

Heli ist nicht für Nachtflüge zugelassen

Übrigens: Nach dem Diebstahl stellte die Heliklau-Bande einen am Flughafengelände abgestellten Kerosin-Transportwagen wieder zurück an seinen Platz, rollte den Kraftstoffschlauch auf und schloss die Tür, offenbar um ihre Spuren zu verwischen und die Entdeckung des Einbruchs zu verzögern, berichtet die Kleine Zeitung.

Der Hubschrauber dürfte zum Nachtanken zwischengelandet sein.en.
Der Hubschrauber dürfte zum Nachtanken zwischengelandet sein. © zVg, Aster

Das ärgste Detail, das zeigt, dass hier nach einem ausgeklügelten Plan zugeschlagen  wurde, ist der Umstand, dass der Morgenstern-Heli nicht für Nachtflüge zugelassen ist und auch nicht über die für einen solchen Flug erforderliche Ausrüstung verfügen soll, sodass die Diebe angeblich bei praktisch "blinden" Sichtverhältnissen über die Alpen flogen und sich dabei auf das starke Licht der Vollmondphase verließen, das das Gelände in jener Nacht erhellte. Zur Erklärung: Die Mondscheibe wirkt mehrere Nächte lang hell und rund, besonders am 25., 26. und auch noch in der Nacht auf den 28. September.

Geht es um eine Erpressung?

Und noch ein Detail regt zum Nachdenken an:  Die Information, dass OE-XHK Kroatien erreicht hatte, stammte laut Flugexperten weder von Flightradar24 noch von FlightAware, noch aus der Überwachung von ADS-B-Signalen. Das Breitling-Hubschrauber blieb für die zivilen Flugdienste unsichtbar, da Transponder und ELT zuvor entfernt worden waren. Also muss er von Zeugen z.B. beim Nachtanken in Kroatien  beobachtet worden sein - oder die Täter haben sich von dort beim  Besitzer gemeldet, der von ihnen erpresst wird? Der Helikopter kostet neu rund 600.000 Euro. Der R44 soll auch auf Diebstahl (Zeitwert) versichert sein.

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