Streit eskaliert

Selenskyj attackiert Klitschko: "Lügen"-Vorwürfe aus Kiew

© Getty Images (Fotomontage)
Nach neuen russischen Raketenangriffen auf Kiew eskaliert der Streit an der ukrainischen Staatsspitze. Selenskyj wirft der Stadt mangelnde Vorbereitung vor. Klitschko spricht von Manipulation und Lügen.
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Russlands Raketen treffen Kiew – und mitten in der schweren Energiekrise liefern sich Präsident Wolodymyr Selenskyj und Bürgermeister Vitali Klitschko einen heftigen öffentlichen Schlagabtausch. Statt gemeinsam auf die Angriffe zu reagieren, machen sich die beiden Politiker gegenseitig schwere Vorwürfe.

Die Lage in der ukrainischen Hauptstadt ist angespannt. Nach russischen Angriffen kämpfen Einwohner und Unternehmen mit langen Strom- und Wasserausfällen. Auch die Fernwärme ist betroffen. Eine weitere Verschärfung der Energiekrise droht.

Selenskyj wirft Klitschko Versäumnisse vor

Nach Angaben des Präsidenten feuerte Russland in der Nacht 36 Raketen auf Kiew und das Umland ab. Bei dem Angriff wurde unter anderem die Nordbrücke über den Dnipro beschädigt und vorläufig gesperrt. Bürgermeister Klitschko meldete fünf Verletzte.

Der Bürgermeister ließ die Kritik nicht auf sich sitzen. © Global Images Ukraine via Getty Images

Doch Selenskyj sieht die Ursachen für die Probleme nicht allein bei den russischen Angriffen. Er kritisierte, dass Beschlüsse auf städtischer Ebene zur Vorbereitung auf die Heizperiode nicht umgesetzt worden seien. Damit wirft er der Stadtführung indirekt vor, sich nicht ausreichend auf die Angriffe vorbereitet zu haben.

Klitschko kontert mit heftigen Vorwürfen

Der Bürgermeister ließ die Kritik nicht auf sich sitzen. Er warf dem Präsidenten "Manipulation" und die Verbreitung von "Lügen" vor. Vertreter der Stadt seien zu den Krisenberatungen Selenskyjs gar nicht eingeladen worden.

Zudem beklagte Klitschko laut Reuters, dass die Zentralregierung die Genehmigung eines Notfallplans für Kiew verzögere.

Besonders scharf fiel seine Reaktion auf die Kritik an der Arbeit der Stadt aus. "Widerwärtig sieht das alles in Bezug auf die Einwohner der Hauptstadt aus", schrieb Klitschko. Die Vorwürfe würden auch jene Helfer herabwürdigen, die "unter Einsatz ihres Lebens unter Beschuss rund um die Uhr praktisch Unmögliches leisten".

"Er kennt die reale Situation nicht"

Klitschko zweifelte außerdem daran, dass Selenskyj die tatsächliche Lage der Energieversorgung in Kiew kenne. Die Hauptstadt sei Teil des ukrainischen Verbundnetzes. Wenn dieses im ganzen Land beschädigt werde, könne nicht eine Stadt allein für die Stromausfälle verantwortlich gemacht werden.

Klitschko zweifelte außerdem daran, dass Selenskyj die tatsächliche Lage der Energieversorgung in Kiew kenne. © Getty Images

"Und wenn dieses Netz im ganzen Land zerstört wird, kann es nicht an manchen Orten noch leuchten, während Klitschko an anderen alles abgeschaltet hat", argumentierte der Bürgermeister.

Der Konflikt zwischen Selenskyj und Klitschko schwelt bereits seit Jahren. Immer wieder gab es Streit über Zuständigkeiten und politische Verantwortung. Angesichts der aktuellen Angriffe und der drohenden Energiekrise erreicht der Machtkampf nun aber eine neue Schärfe.

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