Manche werden verletzt am Straßenrand gefunden, andere nach einem Sturz vom Balkon ins Tierquartier Wien gebracht. Dort werden sie medizinisch versorgt und liebevoll betreut. Doch während die Katzen wieder zu Kräften kommen, warten viele vergeblich auf ihre Besitzer. Von 926 Katzen, die heuer als Fundtiere oder ausgesetzte Tiere aufgenommen wurden, sind gerade einmal 226 wieder abgeholt worden. Nicht einmal jede vierte hat damit den Weg zurück in ihr bisheriges Zuhause gefunden.
Wie sehr sich die Situation zugespitzt hat, zeigt auch ein Blick auf die aktuelle Belegung. Mehr als 210 Katzen werden derzeit im Tierquartier betreut, so viele wie noch nie zu dieser Jahreszeit. Darunter sind auch viele zutrauliche Katzen, die offensichtlich an Menschen gewöhnt sind und bereits ein Zuhause hatten. Trotzdem meldet sich oft niemand, um sie abzuholen. "Es macht uns fassungslos, wie viele dieser Tiere bei uns landen und nie wieder abgeholt werden", erklärt Thomas Benda, Betriebsleiter des Tierquartier Wien.
Verletzte Katzen verursachen hohe Kosten
Insgesamt hat das Tierheim heuer bereits mehr als 1.200 Katzen aufgenommen, wobei neben Fundtieren und ausgesetzten Katzen auch behördlich abgenommene Tiere darunter sind. Viele der Neuankömmlinge brauchen dringend medizinische Hilfe, weil sie etwa von einem Auto angefahren wurden oder bei einem Sturz schwere Verletzungen erlitten haben.
Während das tierärztliche Team die medizinische Versorgung vor Ort übernimmt, müssen Katzen mit Knochenbrüchen oder anderen schweren Verletzungen für Operationen in externe Tierkliniken gebracht werden. Bis sie wieder gesund sind, vergehen oft mehrere Wochen. Allein für die Behandlungen außerhalb des Tierheims sind heuer bereits rund 100.000 Euro angefallen.
Dass sich nach einer aufwendigen Behandlung niemand meldet, um sein Tier wieder nach Hause zu holen, ist für die Mitarbeiter besonders bitter. Benda befürchtet, dass dabei mitunter auch finanzielle Überlegungen eine Rolle spielen könnten. "Wir haben den Eindruck, dass manche Besitzerinnen und Besitzer gerade dann nichts mehr von ihrem Tier wissen wollen, wenn hohe Behandlungskosten auf sie zukommen", so der Betriebsleiter.
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Fehlende Chips erschweren die Suche
Allerdings steckt nicht hinter jeder Katze, die vergeblich auf ihre Besitzer wartet, eine bewusste Entscheidung, das Tier zurückzulassen. Manchmal scheitert die Rückkehr schlicht daran, dass sich die Halter nicht ausfindig machen lassen. Fehlt ein Mikrochip oder sind die hinterlegten Kontaktdaten veraltet, kann selbst eine längst vermisste Katze nicht zugeordnet werden.
Das Tierquartier appelliert deshalb an alle Katzenhalter, ihre Tiere chippen und registrieren zu lassen. Denn der Chip allein genügt nicht. Erst wenn seine Nummer gemeinsam mit den aktuellen Kontaktdaten in einer Datenbank gespeichert ist, können die Besitzer verständigt werden.
Wer seine Katze vermisst, sollte deshalb auch nicht darauf warten, dass sich jemand meldet, sondern selbst bei Tierheimen nachfragen. In Wien ist das Fundservice für Haustiere unter 01 4000 8060 rund um die Uhr erreichbar. Vielleicht ist das vermisste Tier längst in Sicherheit und wartet nur darauf, wieder nach Hause zu kommen.
Ältere und kranke Katzen haben es schwer
Für jene Katzen, die nicht mehr zu ihren bisherigen Besitzern zurückkehren können, beginnt im Tierquartier die Suche nach einem neuen Zuhause. Doch während junge Kätzchen bei Interessenten besonders gefragt sind, haben es ältere oder kranke Tiere oft schwerer. Gerade Katzen, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme besondere Betreuung brauchen, müssen häufig länger auf eine Vermittlung warten.
"Auch diese Katzen wünschen sich Geborgenheit und Menschen, die für sie da sind", betont Benda und hofft, dass mehr Interessenten auch diesen Tieren eine Chance geben. Das Vergabeteam des Tierquartier berät bei der Auswahl und informiert über die Bedürfnisse der einzelnen Katzen. Wer selbst kein Tier aufnehmen kann, hat die Möglichkeit, mit einer Spende zur medizinischen Versorgung und Betreuung beizutragen.
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