Abgabe vom Tisch
Ludwig stoppt Kultureuro nach Protestwelle
Der umstrittene "Kultureuro" ist vom Tisch. Nach Tagen heftiger Kritik aus der Kulturszene, von Veranstaltern und der Opposition zieht Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) die Reißleine. "Der Kultur-Euro kommt nicht", sagt Ludwig. Kultur müsse unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten für alle Menschen zugänglich bleiben.
Die Entscheidung kommt überraschend schnell. Noch am Dienstag hieß es aus dem Büro von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), die konkrete Ausgestaltung werde derzeit erarbeitet. Diskutiert wurden ein fixer Betrag pro Ticket und ein Aufschlag von rund 12,5 Prozent. Die Einnahmen hätten wieder vollständig in den Kulturbereich fließen sollen.
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Kritik wurde immer heftiger
Gegen die Pläne hatte sich in den vergangenen Tagen breiter Widerstand formiert. Staatsoperndirektor Bogdan Roščić erklärte zunächst, er habe an einen Aprilscherz geglaubt, und warnte vor existenzbedrohenden Folgen. Konzerthaus-Vorstand Matthias Naske sah ebenfalls eine "existenzbedrohende Dimension". Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig rechnete mit "mehr Schaden als Nutzen".
Danach legte die Veranstaltungsbranche nach. Die Interessengemeinschaft Österreichische Veranstaltungswirtschaft warnte vor weniger internationalen Großshows, gefährdeten Arbeitsplätzen und hohen wirtschaftlichen Schäden. Veranstalter Ewald Tatar sprach von "modernem kommunalem Raubrittertum". Live-Nation-Chef Matthias Rotermund warnte davor, dass internationale Tourneen wirtschaftlich attraktivere Städte bevorzugen könnten.
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Auch politischer Druck nahm zu
Die ÖVP erhöhte zuletzt ebenfalls den Druck und forderte Ludwig in einem offenen Brief auf, die Abgabe fallen zu lassen. Parteichef Markus Figl warf SPÖ und Neos vor, mit der geplanten Steuer die "kulturelle Seele Wiens" zu verkaufen. Kultursprecherin Judith Edelmann beschrieb die Stimmung bei betroffenen Betrieben mit den Worten "Alle haben Panik". Die ÖVP wollte den Kultureuro zudem in der kommenden Landtagssitzung thematisieren.
Auch die Grünen lehnten eine zusätzliche Abgabe auf Eintrittskarten ab. Sie sprachen sich stattdessen dafür aus, einen Teil der Tourismusabgabe für die Kultur zweckzuwidmen.
Suche nach neuem Modell geht weiter
Mit dem Aus für den Kultureuro ist die Debatte über die Finanzierung allerdings nicht beendet. Ludwig verweist darauf, dass in den vergangenen Jahren zwei kulturbezogene Abgaben abgeschafft wurden, die zuvor zur Finanzierung beigetragen hätten. Nun müssten andere Wege gefunden werden, um die Kulturlandschaft langfristig finanziell abzusichern. "Wir werden gemeinsam neue Wege gehen müssen für die nachhaltige Absicherung der Kulturlandschaft", sagt Ludwig. An einem Ziel hält er fest. "Unser Ziel ist weiterhin Kultur für alle", so der Bürgermeister.
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