483-Euro-Jahreskarte

Jetzt kracht es wegen der neuen Öffi-Preise

Eine Hand hält eine rote Jahreskarte der Wiener Linien für öffentliche Verkehrsmittel.
© APA/HANS KLAUS TECHT
Die nächste Preiserhöhungen bei den Wiener Linien sorgt für heftigen politischen Streit. FPÖ, ÖVP und Grüne gehen mit der Stadtregierung hart ins Gericht. Die SPÖ verteidigt hingegen die höheren Tarife und verweist auf die Qualität des Öffi-Netzes.
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Erst Anfang 2026 ist der Preis für die Jahreskarte von 365 auf 467 Euro gestiegen. Ab 1. Jänner 2027 kostet sie bei Einmalzahlung bereits 483,10 Euro. Auch Einzelfahrten werden teurer. "Jugend, Senior und Spezial" kostet künftig 310,40 Euro, eine Einzelfahrt 3,10 Euro digital bzw. 3,30 Euro in Papierform. Die bereits im Vorjahr angekündigte jährliche Anpassung an den Verbraucherpreisindex beträgt für 2027 3,45 Prozent.

FPÖ und ÖVP gehen auf die Barrikaden

Besonders die Tarifgestaltung bei Ratenzahlungen sorgt bei der FPÖ für Ärger. "Wer wenig Geld hat, zahlt am Ende mehr", kritisiert FPÖ-Stadtwerkesprecher Klemens Resch. Er fordert einen sofortigen Preisstopp für Ratenzahler und wirft der Stadtregierung vor, mögliche Einsparungen bei den Wiener Linien nicht ausreichend zu nutzen.

Die ÖVP nimmt vor allem die automatische jährliche Tarifanpassung ins Visier. Verkehrssprecherin Elisabeth Olischar verlangt einen Stopp dieses Mechanismus und warnt davor, mit steigenden Fahrpreisen den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel unattraktiver zu machen. "Die Stadt muss bei sich selbst sparen, ihre Strukturen reformieren und die Menschen entlasten", fordert ÖVP-Landesparteiobmann Markus Figl.

Grüne fordern Öffi-Preisbremse

Auch die Grünen gehen mit der Stadtregierung hart ins Gericht. Während sich Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) für steuerliche Begünstigungen von Billigfluglinien einsetze, würden die Öffi-Tickets erneut teurer. Gleichzeitig sei der Ausbau des öffentlichen Verkehrs massiv ins Stocken geraten. "Das sind die völlig falschen Prioritäten, stattdessen ist es allerhöchste Zeit für eine Öffi-Preisbremse", so die Grünen-Chefs Judith Pühringer und Peter Kraus.

SPÖ kontert mit Spitzenplatz im EU-Vergleich

Die SPÖ hält dagegen und beruft sich auf eine internationale Befragung des Stadtmagazins Time Out. Demnach bewerten 90,3 Prozent der befragten Wiener das Öffi-Angebot als gut oder hervorragend. Damit belegt Wien weltweit Platz sieben und liegt innerhalb der Europäischen Union an der Spitze. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis sei weiterhin attraktiv. Trotz Erhöhung kostet die Jahreskarte umgerechnet 1,32 Euro pro Tag. In London, Amsterdam, Paris und Berlin seien vergleichbare Angebote laut SPÖ deutlich teurer.

Zudem wird auf den Ausbau des Netzes seit 2012 verwiesen. In diesem Zeitraum seien 37 neue Linien, rund 195 zusätzliche Linienkilometer und mehr als 940 Haltestellen dazugekommen. Die Stadt unterstütze den öffentlichen Verkehr jährlich mit über einer Milliarde Euro. Die regelmäßige Anpassung an die Inflation soll das Angebot langfristig absichern und größere Preissprünge verhindern.

Bei den ÖBB und im Verkehrsverbund Ost-Region werde dieses Modell bereits seit Jahren angewendet. "Die jährliche Valorisierung ist kein Teuerungsautomatismus, sondern ehrliche und vorausschauende Politik", entgegnet SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi. Kritik an angeblich schlechter werdenden Leistungen lässt er ebenfalls nicht gelten. Wer günstigere Tickets fordert und gleichzeitig Einsparungen bei der Stadt verlangt, muss auch erklären, welche Verbindungen dafür gestrichen werden sollen.

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