Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien war während der Pandemie einer der wissenschaftlichen Berater der Regierung. Im Interview mit dem KURIER spricht der Umweltmediziner über Fehlentscheidungen, verlorenes Vertrauen in die Wissenschaft und die Lehren aus der Krise.
"Das ging nach hinten los"
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Besonders deutlich wird Hutter beim Thema Impfpflicht. Als er damals im Radio davon gehört habe, sei ihm sofort klar gewesen, dass diese Entscheidung problematisch werden könnte. Die Einführung sei angesichts steigender Infektionszahlen und einer schwachen Durchimpfung zwar nachvollziehbar gewesen, letztlich aber ein Schnellschuss.
"Das war aus meiner Sicht ein grober Fehler", sagt Hutter rückblickend. Die Maßnahme sei nicht nur nach hinten losgegangen, sondern habe auch viel Schaden angerichtet. Er habe die Impfpflicht bereits damals kritisch gesehen.
Vertrauen in Wissenschaft hat gelitten
Auch die Kommunikation während der Pandemie sieht der Experte kritisch. In der Wissenschaft gebe es unterschiedliche Meinungen – das sei grundsätzlich normal und sogar notwendig. Problematisch sei allerdings gewesen, dass extreme Positionen die öffentliche Debatte geprägt hätten.
Die Politik habe sich aus dem Spektrum wissenschaftlicher Einschätzungen teilweise einzelne Positionen herausgepickt oder ganz anders entschieden. Für künftige Krisen müsse deshalb besser erklärt werden, wie wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen und warum es dabei auch unterschiedliche Einschätzungen gibt.
Die Glaubwürdigkeit von Institutionen habe durch die Pandemie gelitten. Das könne laut Hutter auch bei anderen wichtigen Themen Folgen haben – etwa bei der Klimakrise.
Maske in der U-Bahn? Experte fordert mehr Rücksicht
Eine weitere Lehre aus der Pandemie sei aus seiner Sicht im Alltag kaum angekommen: der Umgang mit Infektionen. Hutter bedauert, dass einfache Maßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen offenbar nicht dauerhaft stärker verankert wurden.
Auch beim Maskentragen sieht er Österreich kritisch. Wer in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maske trägt, werde oft schräg angeschaut. Dabei gehe es auch um Rücksicht auf andere – etwa Menschen, die wegen einer Chemotherapie besonders anfällig für Infektionen sind.
In Japan sei es selbstverständlich, bei einer leichten Erkältung eine Maske zu tragen, um andere nicht anzustecken. In Österreich sei dieser Respekt dagegen nur rudimentär vorhanden, kritisiert Hutter.
Bei neuer Pandemie schneller reagieren
Trotz aller Kritik sieht der Umweltmediziner Österreich heute besser vorbereitet als zu Beginn der Corona-Krise. Man wisse inzwischen mehr über Kontaktverfolgung, Abstandsmaßnahmen und die rasche Entwicklung von Impfstoffen. Auch das Abwasser-Monitoring könne helfen, neue Entwicklungen früher zu erkennen.
Entscheidend sei aber die Kommunikation: Die Politik müsse künftig nicht nur Maßnahmen verkünden, sondern auch erklären, welches Ziel sie verfolgen und warum sie notwendig sind.
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