Gefängnis-Morde

Ex-Häftling packt aus: So schlimm ist es im Häf'n

Polizei- und Justizwachefahrzeuge vor dem Gefängnis Garsten, Einsatz wegen vereiteltem Häftlingsausbruch.
© APA/FOTOKERSCHI.AT/KLAUS MADER
Erneuter Mordverdacht in einem heimischen Gefängnis. Im Forensisch-Therapeutischen Zentrum (FTZ) Garsten wurde ein 40-jähriger Insasse tot aufgefunden. Gegenüber oe24 packt ein Ex-Häftling über die Zustände in den Justizanstalten aus.
OE24 auf Google bevorzugen

Über neun Monate lang saß Clemens (Name von der Redaktion geändert) in der Justizanstalt Garsten. Damals war das Gefängnis noch eine Strafvollzugsanstalt, in der auch "21 1er" untergebracht waren, wie der frühere Häftling gegenüber oe24 erklärt. Gemeint ist damit der Paragraph 21 Absatz 1 des Strafgesetzbuches, der die Unterbringung in forensisch-therapeutischen Zentren bei schweren psychischen Störungen regelt. Mit 1. Jänner 2024 wurde die Justizanstalt dann in ein Forensisch-therapeutisches Zentrum umgewandelt, also eine Gesamtanstalt für "21 1er".

In Garsten sei es jedenfalls schon damals eine "Katastrophe" gewesen, berichtet der frühere Insasse. Erst auf Druck seines Anwalts sei er nach Innsbruck verlegt worden. "Ein Paradies im Vergleich zu Garsten", so Clemens, wenngleich es auch dort viele Missstände gebe.

In Garsten seien die Beamten "überlastet und fertig", so der Ex-Häftling zu oe24. Besonders Insassen mit psychischen Störung seien "wie Viecher behandelt worden".

"Es gibt auch viele gute Beamte"

Clemens betont allerdings: "Es gibt auch viele gute Beamte, echte Ehrenleute".

In Innsbruck sei es dann jedenfalls besser geworden. Die Zustände lassen aber dennoch zu wünschen übrig. Vor allem ein Beamter blieb negativ in Erinnerung. Dieser habe regelmäßig "Gnackwatschn" verteilt, Häftlinge des Öfteren "gezwickt" oder mit dem Schlüsselbund in die Nieren geschlagen. Der Beamte soll mittlerweile suspendiert worden sein.

Justizministerium: "Wesentliche Verbesserungen umgesetzt"

Die für den Strafvollzug zuständige Volksanwältin Gabriela Schwarz (ÖVP) nannte die medizinische Situation im FTZ Garsten zuletzt "defizitär". Freitag bis Sonntag und in der Nacht sei kein psychiatrisches Fachpersonal vor Ort. Lediglich zwei Mal pro Woche ist ein Allgemeinmediziner anwesend", so Schwarz.

Dazu stellte das Justizministerium am Dienstag klar, man habe in Garsten mittlerweile "wesentliche Verbesserungen umgesetzt". Seit der letzten Überprüfung durch die Volksanwaltschaft im Jahr 2025 sei der Besetzungsgrad der Fachdienste auf 92 Prozent gesteigert worden. Der Pflegebereich sei sogar vollbesetzt.

"Parallel dazu sichern wir die medizinische und psychiatrische Versorgung auch an Wochenenden und Feiertagen lückenlos ab, indem das ärztliche Fachpersonal bis zur Etablierung eines regulären Bereitschaftsdienstes durchgehend telefonisch erreichbar ist", teilte das Ministerium in einer Stellungnahme mit. Zudem werde gezielt in die Handlungssicherheit der Bediensteten vor Ort investiert: "Über regelmäßige, spezifische Schulungen wird das Personal kontinuierlich für den sensiblen und professionellen Umgang mit psychisch auffälligen Insassen weitergebildet."

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden