Bühnenkollegin

Causa Gunkl: Jetzt spricht Caro Athanasiadis

Frau in pinkem, glitzerndem Overall mit passendem Gürtel und Schuhen vor Ziegelwand.
© Getty Images
Die Wiener Justiz hat Anklage gegen den Kabarettisten Günther Paal erhoben. Nach Bekanntwerden der gravierenden Vorwürfe rund um Kindesmissbrauch, hunderte Dateien und hohe Schweigegeldzahlungen meldet sich nun seine Kollegin Caro Athanasiadis mit einem aufrüttelnden Appell zu Wort.
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Die Vorwürfe gegen den unter dem Künstlernamen "Gunkl" bekannten Satiriker Günther Paal wiegen schwer. Die Staatsanwaltschaft Wien brachte am Mittwoch beim Wiener Landesgericht für Strafsachen offiziell Anklage ein. Dem bekannten Künstler wird laut Anklagebehörde "die Vornahme einer geschlechtlichen Handlung an einer unmündigen Person sowie das Verschaffen und Besitzen von zumindest 960 Bilddateien und 19 Videodateien sexualbezogenen Kindesmissbrauchsmaterials mündiger und unmündiger Minderjähriger zur Last gelegt".

Darüber hinaus soll Paal eine Summe von fast 190.000 Euro an Schweigegeld gezahlt haben. Sein Verteidiger Florian Höllwarth erklärte in einer Aussendung sowie gegenüber der APA die Hintergründe aus Sicht des Beschuldigten: Es habe sich um Sexarbeiterinnen gehandelt, die Paal vor zehn Jahren über eine Anzeige kennengelernt habe. Nach etwa einem Jahr und stetig steigenden Geldforderungen sei der Kontakt 2017 abgebrochen worden. Im Jahr 2024 sei der Kabarettist von der Frau erneut kontaktiert worden. Bei einem Treffen sei Paal mit dem Kind der Frau in Kontakt gekommen, wobei ihm das Mädchen seinen Angaben zufolge zugeführt worden sei. In einer Videobotschaft legte Paal ein Geständnis ab, zeigte Reue und erklärte unter Tränen: "Ich habe ein Kind dorthin geküsst, wo Erwachsene Kinder nicht küssen dürfen." Es tue ihm "unendlich leid".

Kollegin Caro Athanasiadis reagiert zutiefst erschüttert

Ein Mann mit Brille und Glatze sitzt vor einer weißen Wand und blickt in die Kamera.
Günther Paal alias "Gunkl" © Facebook/Gunkl

Inmitten dieser dramatischen juristischen Entwicklungen meldete sich nun die Wiener Kabarettistin Caro Athanasiadis öffentlich zu Wort. Als langjährige Weggefährtin, die mit Paal wiederholt auf der Bühne stand und gemeinsame Engagements bestritt, gewährte sie Einblick in ihr aufgewühltes Seelenleben. Das bisherige Auftreten des Künstlers steht für sie in einem unüberbrückbaren Gegensatz zu den polizeilichen Ermittlungsergebnissen.

Auf ihren Social-Media-Kanälen formulierte die Entertainerin ihre Bestürzung in klaren Sätzen: "Auch ich habe mit Günther Paal schon die Bühne geteilt oder mit ihm zusammengearbeitet. Ich habe ihn als klugen, ruhigen und angenehmen Kollegen erlebt. Umso sprachloser machen mich diese Vorwürfe." Die Diskrepanz zwischen dem geschätzten Arbeitskollegen und den Inhalten der Anklageschrift löste in der gesamten heimischen Theaterszene eine Schockstarre aus.

Die Gefahr der Verharmlosung im persönlichen Umfeld

Besonders eindringlich setzt sich Athanasiadis mit einem weit verbreiteten psychologischen Schutzmuster auseinander. Häufig neigt das persönliche Umfeld von Beschuldigten dazu, Anschuldigungen zu relativieren, weil man die betreffende Person stets von einer tadellosen Seite erlebt hat. Genau vor diesem verhängnisvollen Trugschluss warnt die Künstlerin mit schonungsloser Ehrlichkeit und schließt sich dabei selbst ausdrücklich ein.

In ihrem Beitrag mahnt sie zur Wachsamkeit gegenüber den eigenen Emotionen: "Und genau da muss ich auch bei mir selbst aufpassen. Denn der Satz; Zu mir war er immer lieb. Mir hat er nie etwas getan, ist kein Gegenargument." Ein Mensch könne zu ihr persönlich stets freundlich, aufmerksam und respektvoll sein und gleichzeitig einem anderen Menschen etwas Schreckliches antun. Dieses Phänomen dürfe im Kollegenkreis niemals als Schutzbehauptung oder zur Entlastung herangezogen werden.

Eindringlicher Appell für den Schutz von Betroffenen

Die Kabarettistin schließt ihre Wortmeldung mit einer unmissverständlichen Forderung ab, die weit über den konkreten Einzelfall hinausreicht. Ihr Anliegen ist ein grundlegender Paradigmenwechsel im gesellschaftlichen Umgang mit Opfern von Gewalt und Missbrauch, bei dem Sympathiewerte für Prominente keine Rolle mehr spielen dürfen.

Mit deutlicher Schärfe fordert Athanasiadis: "Wir müssen endlich aufhören Betroffenen weniger zu glauben, nur weil wir den Beschuldigten sympathisch finden oder ihn persönlich kennen." Während die Justiz den Fall nun vor dem Wiener Landesgericht für Strafsachen aufarbeitet, hat Athanasiadis ein kraftvolles Signal gesetzt, das den Fokus bedingungslos auf die Unterstützung der Betroffenen lenkt.

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