Große Probleme

Alarm! Unsere Stadien verfallen immer mehr

Das Ernst-Happel-Stadion in Wien ist mittlerweile veraltet.
© GEPA pictures/ Alexander Solc
Teamchef Ralf Rangnick hat mit seiner scharfen Kritik an der Wiener Stadtregierung die Stadion-Debatte neu entfacht. Das ganze Land hat aber ein noch viel größeres Problem.
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ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick kämpft seit seinem Amtsantritt um ein neues Nationalstadion, von dem das ganze Land profitieren könnte. Neben dem Comeback der größten Pop- und Rockstars, die mittlerweile einen großen Bogen um die Hauptstadt machen, zeigte etwa das Beispiel der Backstreet Boys vergangenen Winter: Während es in Deutschland unzählige Konzerte gab, heizte man in Österreich nur beim Ski-Opening in Schladming ein. Auch an die Austragung eines Champions-League-Finales braucht man mit der aktuellen Infrastruktur nicht denken. Dabei gab es im Prater nicht weniger als vier Endspiele, zuletzt allerdings 1995.

Eine moderne Event-Arena, die alle Stücke spielt, ist längst überfällig. Doch vor allem die finanziellen Anforderungen dürften die Politik abschrecken. Rangnick behauptete zuletzt, dass er für das neue Stadion sogar Investoren an der Hand hätte, wodurch kein Steuergeld hineingesteckt werden müsste. Dennoch zeigt man sich seitens der Stadtpolitik nicht gesprächsbereit.

Nachbarländer zeigen, wie es geht

Ein Blick über die Landesgrenzen hinaus zeigt, dass es auch anders geht. In Laibach und Bratislava sind moderne Arenen mit Platz für etwa 20.000 Zuschauer errichtet worden. In Budapest lockt die 2019 eröffnete Puskas-Arena, die auch Austragungsort bei der EURO war, sogar fast 70.000 Fans ins Stadion.

Doch das Problem ist noch viel größer und reicht weit über die Grenzen der Hauptstadt hinweg. Mit der großen Ausnahme von Linz herrscht im ganzen Land Stadion-Alarm. Das letzte Heimspiel des ÖFB-Teams, das nicht in Wien oder Linz ausgetragen wurde, ist lange her. Klagenfurt durfte zuletzt im November 2021 für den ÖFB die Pforten öffnen. In Salzburg, Innsbruck und Graz ist es noch länger her.

Probleme in Graz

Das wohl größte Sorgenkind des Landes ist in der Steiermark. Am 7. Juni 2011 war das Match gegen Lettland das letzte Länderspiel in der Steiermark. Viele jugendliche Steirer haben es bisher nicht erlebt, dass der ÖFB in ihrer Heimat aufläuft.

Das Stadion in Graz Liebenau feiert nächstes Jahr den 30. Geburtstag.
Das Stadion in Graz Liebenau feiert nächstes Jahr den 30. Geburtstag. © Getty Images

Die beiden Traditionsvereine Sturm und GAK haben sich schon längst zusammengetan und kämpfen um eine Modernisierung der 1997 eröffneten Merkur-Arena. Während es vor der Gemeinderatswahl seitens der Politik positive Signale gab, wurde danach sogar das Sponsoring der großen Sportvereine der Landeshauptstadt gestrichen. Eine Lösung in der Grazer Stadion-Diskussion ist mittlerweile in weite Ferne gerückt.

Zwei Welten in Salzburg

Die Mozartstadt durfte heuer zwar das UEFA-Supercup-Finale austragen, Teamchef Rangnick ließ sein Team allerdings noch nie in seiner Wahlheimat auflaufen. Zuletzt durfte man am 6. September 2019 den 6:0-Sieg gegen Lettland bejubeln.

Die Fans von Austria Salzburg fordern eine Stadion-Lösung.
Die Fans von Austria Salzburg fordern eine Stadion-Lösung. © GEPA pictures/ David Geieregger

Während die Red-Bull-Arena nun um fast 1 Million Euro mit Geld der Stadt, die auch als Besitzer geführt wird, modernisiert werden soll, gibt es allerdings auch hier ein großes Streitthema. Austria Salzburg, die mittlerweile wieder in der 2. Liga spielen, kämpft um eine neue Spielstätte. Ähnlich wie in Graz und Wien gibt es hier allerdings weniger Gesprächsbereitschaft.

In Tirol steht die Zeit still

Auch das Tivoli-Stadion in Innsbruck, das nach der Heim-EM 2008 zurückgebaut wurde, war lange Zeit regelmäßiger Austragungsort von ÖFB-Spielen. Doch seit dem 30. Mai 2018 ist Funkstille im Westen. Tiroler und Vorarlberger, die Alaba & Co. zujubeln wollen, müssen lange Reisen auf sich nehmen.

Seit 26 Jahren blickt man vom Innsbrucker Tivoli auf die eindrucksvolle Nordkette.
Seit 26 Jahren blickt man vom Innsbrucker Tivoli auf die eindrucksvolle Nordkette. © Liverpool FC via Getty Images

Der Betrieb im Tivoli ist dennoch weiterhin aufrecht. Mit Wacker Innsbruck, der WSG Tirol und dem Football-Team Raiders ist die Auslastung für die Betreiber zufriedenstellend. Vorarlberg dürfte aufgrund der Lage nicht in Frage kommen, hatte aber die beiden Stadien in Lustenau und Altach in den vergangenen Jahren auf den neuesten Stand gebracht.

Nur Gastauftritte in Kärnten

Die Wörthersee-Arena in Klagenfurt galt lange Zeit als beliebtester Austragungsort des ÖFB, sei es für kleinere Länderspiele oder das Cup-Finale. Doch seit fünf Jahren gibt es auch hier keine großen Spiele mehr. Das Stadion ist in die Jahre gekommen. Einzig als Ausweichstadion für Sturm Graz in der Champions League oder internationale Testspiele, wie vergangenen Sommer von Real Madrid, reicht es noch.

Nur ganz wird das Stadion in Klagenfurt gefüllt.
Nur ganz wird das Stadion in Klagenfurt gefüllt. © UEFA via Getty Images

Die Zustände sollen allerdings jährlich kritischer werden. Die Tribünen verfallen, auch weil es kein Klagenfurter Verein bisher geschafft hat, im Fußball-Oberhaus die Massen anzuziehen.

Wien backt kleinere Brötchen

In der Bundeshauptstadt gibt es mittlerweile drei moderne Stadien. Die großen Vereine Rapid und Austria sind für internationale Spiele gerüstet, zuletzt sorgte allerdings ein Fan-Aufstand für Wirbel, der verhindern möchte, dass Partien der möglichen U21-EM 2029 im Weststadion ausgetragen werden. Die Heimat der Grün-Weißen würde zwar mit den Beispielen in Laibach und Bratislava mithalten können, hat aber einen Deal mit den Anrainern im Westen Wiens, dass das Stadion nur von Rapid genutzt werden darf.

Hütteldorfer Prunkstück: Das Weststadion.
Hütteldorfer Prunkstück: Das Weststadion. © UEFA via Getty Images

Weiters darf seit diesem Frühling auch der Wiener Sport-Club in seinem rundum erneuerten Heimstadion auflaufen. Der vierte Verein, die Vienna, darf am Dienstag immerhin beim Cup-Hit gegen Rapid erstmals seit Jahren die Naturtribüne hinter dem Tor wieder öffnen.

Schmuckstück: Das neu eröffnete Wiener Sport Club-Stadion.
Schmuckstück: Das neu eröffnete Wiener Sport Club-Stadion. © GEPA pictures/ David Bitzan

Dennoch gibt es hier den größten Handlungsbedarf. Auch wenn die größten Vereine der Stadt vorerst zufrieden sind, braucht es eine moderne Event-Arena, wie auch Rangnick immer wieder betont. Sollte man sich hier weiter nicht für einen neuen Weg rüsten wollen, könnte das fatale Folgen haben.

Springt Niederösterreich ein?

Denn, wie der Teamchef auch im ORF angedeutet hat, schaut man sich bereits nach alternativen Orten um. "Der Flughafen Wien ist ja auch in Niederösterreich", meinte der Deutsche. Damit könnte das flächenmäßig größte Bundesland auf einmal ein neues Schmuckstück erhalten.

Bekommt die NV Arena bald Konkurrenz in NÖ?
Bekommt die NV Arena bald Konkurrenz in NÖ? © UEFA via Getty Images

"Es gibt einige Flächen und Orte, an denen es gut passen würde", fügte Rangnick am Sonntag an. Damit würde nach der NV-Arena, in der lange Zeit viele Frauen- und Jugendnationalmannschaften aufliefen, und dem großen Uni-Campus am Stadtrand zu Wien der nächste wichtige Standort hier eröffnet werden.

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