Börsenprospekt da

80 Milliarden Verlust! Anthropic plant Mega-Börsengang an der Nasdaq

Ein Mann mit Brille spricht auf einer Veranstaltung vor blauem Hintergrund mit World Economic Forum Logo.
© APA/AFP/FABRICE COFFRINI
Das KI-Wunderunternehmen Anthropic stürmt noch heuer an die New Yorker Technologiebörse. Der Entwickler des Erfolgsmodells Claude hat offiziell die Zulassung beantragt und legt schonungslos seine Bilanzen offen.
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Paukenschlag an der Wall Street! Die Jagd auf den größten Börsen-Coup des Jahres ist eröffnet. Unter dem Kürzel "ANT" will sich Anthropic an der US-Technologiebörse Nasdaq listen lassen.

Spätestens bis zum Jahreswechsel. Damit landet das Start-up aus San Francisco einen spektakulären Wirkungstreffer gegen den Erzkonkurrenten OpenAI: Während die ChatGPT-Macher ihr Debüt erst für das kommende Jahr vorbereiten, zieht Anthropic eiskalt vorbei.

Erstmals legt Anthropic offizielle Zahlen für 2026 vor: Im 1. Halbjahr 2026  setzte das Unternehmen 16,3 Milliarden Dollar um,  im Vorjahreszeitraum waren es nur 1,2 Milliarden. Allein im 2. Quartal hat sich der Umsatz vervierzehnfacht (!). Der Nettoverlust beläuft sich auf 80,7 Milliarden US-Dollar.
Bis zum 30. September 2026 zählte Anthropic mehr als 11.900 Kunden, die mindestens 100.000 Dollar Umsatz in den vergangenen zwölf Monaten generierten. Ein Jahr zuvor waren es noch 950.
Die fünf wichtigsten Kunden steuerten heuer bis September rund 25 Prozent zum gesamten Umsatz bei.

Explosives Wachstum und 80-Milliarden-Dollar-Verlust

Der Blick in die Bücher zeigt eine beispiellose Umsatzdynamik, aber auch gigantische Verluste auf dem Papier. Allein im ersten Halbjahr setzte das Unternehmen aus San Francisco 16,3 Milliarden Dollar um – im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es lediglich 1,2 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig weist die Bilanz für die ersten sechs Monate einen Nettoverlust von 80,75 Milliarden Dollar aus.

Claude Fable 5 © NurPhoto via Getty Images

Umsatz legt auf 16 Milliarden zu

Grafik der Unternehmensdaten zu Verlust und Umsatz. © oe24

Große Teile der Verbindlichkeiten sind allerdings ein buchhalterischer Sondereffekt. Die Schulden basieren auf Wandelfinanzierungen, die später in Anteile getauscht werden. Steigt der Unternehmenswert von Anthropic, müssen diese Papiere bilanziell höher bewertet werden, was den ausgewiesenen Verlust technisch in die Höhe schraubt.

Starkes operatives Ergebnis und Geschäftskunden-Fokus

Bereinigt um diese Sondereffekte arbeitet der KI-Konzern bereits hochprofitabel. Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz bei einer mehr als 14-fachen Steigerung auf 11,5 Milliarden Dollar, woraus ein bereinigtes Betriebsergebnis von 2,2 Milliarden Dollar resultierte – das entspricht einer operativen Marge von satten 19 Prozent. Im dritten Quartal soll der Erlös laut Angaben für Investoren bereits bei 16,8 Milliarden Dollar gelegen haben.

Die wichtigsten Eckdaten aus dem Prospekt im Überblick:

  • Umsatzsprung 2025: Im vergangenen Jahr verzwölffachte Anthropic die Erlöse auf knapp 4,6 Milliarden Dollar (Nettoverlust: knapp 42 Milliarden Dollar).
  • Fokus auf Unternehmen: Anders als OpenAI setzt Anthropic gezielt auf Firmenkunden; die fünf wichtigsten Großkunden zeichnen für rund 25 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich.
  • Mächtiges Bankenkonsortium: Mehr als 20 renommierte Institute begleiten das IPO, angeführt von Goldman Sachs (Left Lead) und Morgan Stanley. Mit dabei sind auch JP Morgan, Bank of America und die Deutsche Bank.

Streit um Bewertung: Bis zu zwei Billionen Dollar

Eine offizielle Preisspanne nennt der Prospekt bisher nicht, doch in Finanzkreisen wird mit astronomischen Summen spekuliert. Orientierungsmarke ist Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX, der im Juni mit einer Rekordbewertung von 1,77 Billionen Dollar debütierte. Einige Marktteilnehmer bringen für Anthropic gar zwei Billionen Dollar ins Spiel.

Experten warnen jedoch vor überzogener Euphorie. Pitchbook veranschlagt den fairen Unternehmenswert deutlich konservativer bei 1,2 bis 1,5 Billionen Dollar. Bewertungsexperte Aswath Damodaran von der New York University hält zwei Billionen für unrealistisch, da dies einen Jahresumsatz von rund 1,2 Billionen Dollar voraussetzen würde. Damodaran warnt davor, bloße Umsatzhochrechnungen für bare Münze zu nehmen: Diese seien zu behandeln "wie ein gutes Zeugnis aus dem Kindergarten – nett, aber noch kein Grund, Geld fürs Studium zurückzulegen".

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