Enge Kontakte mit Ländern
Kurz - sein neues Leben im Parlament
Wien. Seit Montag ist er nicht mehr Kanzler – seit Donnerstag Nationalrat. Sebastian Kurz hat dem Druck, aufgebaut durch Koalitionspartner Werner Kogler, nachgegeben. Er hat zwar rasch reagiert und ist einem VP-internen Scherbengericht zuvorgekommen. Doch der Druck der Landesparteien war schon enorm.
Abwenden. Seit dem Rücktritt geht ein Landeschef nach dem anderen auf Distanz. Oberösterreichs Thomas Stelzer etwa sagt zu ÖSTERREICH, wie seine Kollegen, seine Landespartei nie auf Türkis umgefärbt zu haben. Hinter vorgehaltener Hand hört man aus den Ländern: Eine Rückkehr in Kanzleramt sei auch aus ÖVP-Sicht angesichts der neuesten Chats nicht mehr möglich.
Getreue wechseln in die Partei. Kurz hat die Stimmung erkannt – schon am Dienstag bezog er sein Büro in der ÖVP-Zentrale. Mit dabei seine Bürochefin Lisa Wieser und der von den Chat-Ermittlungen unbelastete Pressesprecher Rupert Reif, Kurz’ engster Berater Stefan Steiner arbeitete offiziell ja schon bisher für die Partei.
Mini-Tour. Wie ÖSTERREICH erfuhr, wird Kurz jetzt die Kontakte mit den Landesparteien intensivieren und die Landeshauptstädte besuchen. Die Parlamentsarbeit als Klubobmann übernimmt sein Stellvertreter August Wöginger.
Hat Kurz vor, ins Kanzleramt zurückkehren? In der Partei gibt man sich da eher zugeknöpft: Kurz werde sich jetzt einmal auf die „Widerlegung der Vorwürfe konzentrieren“.
Auslieferung fix. Tatsächlich machen die Ermittlungen gegen Kurz in der Chat-Affäre Pause, bis am 17. November seine parlamentarische Immunität aufgehoben wird – was fix ist.
Kein Sprengen. Dass Kurz von der Parteizentrale aus die Koalition sprengen könnte, wie seinerzeit Jörg Haider von Kärnten aus, wird in der ÖVP heftig bestritten. Tatsächlich ist Kurz’ Spielraum diesbezüglich klein: Denn dass alle Vorwürfe schon im Frühjahr vom Tisch sein werden, gilt als sehr unwahrscheinlich.
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