Tausende tot

Warum die Ostsee für Fische zur Todesfalle wurde

Dorsch und Lachs schwimmen im blauen Wasser, weitere Fische im Hintergrund.
© Getty Images/iStockphoto
Tausende Fische trieben in der Kieler Förde an der Oberfläche, viele starben. Eine Expertin warnt: Das Phänomen kann jederzeit wieder auftreten.
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Am 19. September trieben in der Kieler Förde Tausende Fische an der Wasseroberfläche und schnappten nach Luft. Plattfische, Dorsche, Meerforellen und Lachse wurden an die Ufer gespült. Das Fischsterben dauerte nur einen Tag – doch laut der Diplom-Biologin Sina Clorius vom BUND Schleswig-Holstein kann sich das Phänomen jederzeit wiederholen.

Wind drückt Wasser vom Ufer

Auslöser war laut Clorius eine ungünstige Wetterlage. Starker, ablandiger Wind drückte das sauerstoffreiche Oberflächenwasser vom Ufer weg. Dadurch gelangte sauerstoffarmes Wasser aus tieferen Schichten nach oben.

Dieses sogenannte Upwelling war an dem Samstag besonders stark. Clorius erklärt gegenüber "Bild": "Das Problem war, dass dadurch sauerstoffarmes Wasser aus der Tiefe hochgedrückt wurde. Das nennt man Upwelling. Das war an diesem Samstag extrem. Es dauerte nur einen Tag. Aber es kann jederzeit wieder passieren."

Auch das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel beschreibt Upwelling als wiederkehrende Ursache für massenhaftes Fischsterben in der Ostsee. Die tieferen Wasserschichten seien im Sommer sauerstoffarm.

Zu viele Nährstoffe im Wasser

Für Clorius liegt das grundlegende Problem jedoch tiefer. Zu viele Nährstoffe gelangen in die Ostsee und können dort sauerstoffarme Zonen entstehen lassen, in denen Fische nicht überleben können. Auch Seesterne werden laut der Biologin teilweise massenhaft tot angespült.

Die Nährstoffe stammen unter anderem aus der Landwirtschaft. Nach Angaben des Umweltbundesamtes gelangten 2023 über deutsche Flüsse rund 15.000 Tonnen Stickstoff und rund 550 Tonnen Phosphor in die Ostsee.

Laut Clorius sind die Stickstoffeinträge weiterhin hoch. Dadurch treten seit einigen Jahren auch weit draußen in der Ostsee starke Algenblüten auf. Als Beispiel nennt sie das Gebiet vor Bornholm.

Klimawandel verschärft das Problem

Auch der Klimawandel spielt laut Clorius eine Rolle. Die Algen verbrauchen Sauerstoff. Sterben sie ab, wird bei ihrem Abbau erneut Sauerstoff verbraucht.

Als mögliche Maßnahme nennt die BUND-Biologin Gewässerrandstreifen von mindestens zehn Metern Breite an der Ostsee und ihren Zuflüssen. Dort sollte nicht gedüngt werden. Außerdem müsse der Düngereinsatz insgesamt reduziert werden, fordert Clorius.

Menschen zogen Fische aus Wasser

Das Fischsterben hatte laut dem 25-jährigen Biologie-Studenten Till aus Kiel noch einen weiteren Aspekt. Der Betreiber des Angelkanals "trillfishing" berichtet, dass er am Samstagmorgen zum Germaniahafen lief, nachdem der Wind auf Süd gedreht hatte.

Dort habe er Menschen gesehen, die nach Luft schnappende Fische aus dem Wasser zogen, totschlugen und einpackten. "Der Anblick war schockierend und unmoralisch", sagt der Student zu "Bild".

In sozialen Medien kamen zunächst Vorwürfe der Fischwilderei auf. Laut Polizei wird derzeit jedoch nicht wegen dieses Straftatbestands ermittelt. Die Wasserschutzpolizei teilte auf "Bild"-Anfrage mit, dass sie wegen einer Ordnungswidrigkeit ermittelt.

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