Wahl in Berlin
Clan-Chef Issa Remmo feiert mit den Linken
Kaum stand der Sieg der Linken bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl fest, tauchte auf der Wahlparty des Neuköllner Bezirksverbands ein Gast auf, dessen Auftritt die politische Nachwahldebatte dominierte: Issa Remmo, Oberhaupt des Remmo-Clans. Der 58-jährige Clan-Chef posierte mit Victory-Zeichen, sprach mit Journalisten und erklärte der "Berliner Morgenpost", er freue sich über die Linken.
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Erstmals fühle er sich in Deutschland von einer Partei unterstützt, die Vorwürfe eines Antisemitismusproblems in der Berliner Linken wies er zurück: "Die Berliner Linke ist Juden gegenüber nicht feindlich eingestellt." Er würde "keinen judenfeindlichen Politiker wählen".
Issa Remmo selbst gilt als nicht vorbestraft, Mitglieder seiner Großfamilie wurden jedoch in spektakulären Verfahren verurteilt: 2017 stahlen Täter die 100-Kilogramm-Goldmünze "Big Maple Leaf" aus dem Bode-Museum. Ahmed Remmo trat seine Haft nach BGH-Beschluss 2021 an. 2019 folgte der Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden. Im Mai 2023 verurteilte das Landgericht mehrere Clan-Angehörige, darunter Wissam, Rabieh, Bashir, Abdul Majed und Mohamed Remmo, zu Haftstrafen zwischen vier Jahren und vier Monaten sowie sechs Jahren und drei Monaten.
Im Februar 2021 überfielen als Müllmänner verkleidete Täter einen Geldtransporter am Kurfürstendamm und erbeuteten rund 650.000 Euro. Muhamed Remo, ein Neffe Issa Remmos, gestand und wurde im September 2021 zu sieben Jahren Haft wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Vier Komplizen blieben unbekannt.
Kritik am Auftritt
Die Partei distanzierte sich ziemlich rasch von ihrem Unterstützer: Jorinde Schulz vom Neuköllner Bezirksvorstand erklärte, es habe sich um eine öffentliche Veranstaltung gehandelt, zu der auch ungeladene Personen Zutritt gehabt hätten. Remmo stehe nicht auf der Anmeldeliste, seine Anwesenheit sei unbekannt gewesen. Es gebe "weder politische noch persönliche Beziehungen" zu ihm. Spitzenkandidatin Elif Eralp sagte im ZDF, Remmo sei nicht eingeladen gewesen und in Kreuzberg abgewiesen worden. Mit organisierter Kriminalität habe man nichts zu tun. Landesgeschäftsführer Bjoern Tielebein nannte alles, was man über den Mann wisse, "widerlich".
Berlins noch amtierender Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach auf X von einem "verstörenden Signal". Eine Partei, die Verantwortung für die Stadt übernehmen wolle, müsse unmissverständlich klarstellen, dass es keinerlei Nähe zu Strukturen der organisierten Kriminalität geben dürfe. Grünen-Landeschefin Nina Stahr zeigte sich "extrem irritiert" und forderte Aufklärung – sowohl zum Besuch als auch zur Antisemitismusdebatte der vergangenen Wochen – bevor über eine Regierungsbildung gesprochen werde.
Zusätzliche Brisanz erhält der Auftritt durch seinen Begleiter: Laut der Organisation democ stand Remmo in Neukölln im Gespräch mit Ibrahim Ibrahim. Der Aktivist gilt als Unterstützer der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), die von der EU als Terrororganisation eingestuft wird. Ibrahim wird dem "Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitee" zugerechnet, das der Berliner Verfassungsschutz als Dach für gemeinsame Auftritte von PFLP- und Hamas-Anhängern beschreibt. Der Neuköllner Linken-Verband hatte im Vorjahr bereits ein Sommerfest mit diesem Komitee ausgerichtet.
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